Der Sandmann

eine Schauer-Performance zur digitalen Überwachung nach E.T.A. Hoffmann

Vor 200 Jahren veröffentlichte E.T.A. Hoffmann sein schwarz-romantisches Kunstmärchen DER SANDMANN. Die Geschichte um den Studenten Nathanael, dessen Begegnung mit dem okkulten Mechaniker Coppola Traumata seiner Kindheit wieder wach werden lässt. Er sieht in ihm den Mörder seines Vaters, der einst bei alchimistischen Experimenten ums Leben kam. Nathanael versinkt in düsteren Träumen und wirren Phantasien. Er beginnt, überall seltsame Dinge zu beobachten: blutende Augen, Roboter und Verschwörungen – Realität und Halluzination verschwimmen. Zunehmend distanziert er sich von der realen Welt und entzieht sich zugunsten einer erotischen Beziehung zu einer Maschine seinen Mitmenschen.

Die Performance, die Peer Ripberger mit dem Ensemble des Jungen Theaters und der Videokünstlerin Katarina Eckold entwickelt, greift dezidiert aktuelle politische Themen auf, die vor dem Hintergrund aktueller Skandale wie der NSA-Spionageaffäre das Verhältnis von Mensch und Maschine neu betrachten. Überwachung, Drohnen, künstliche Intelligenz, digitalisierte Informationsgesellschaft werden auf der Folie der spätromantischen Kritik E.T.A. Hoffmanns ins heute gespiegelt.


Junges Theater Göttingen

Premiere: 11.06.2015

Konzept, Regie, Ausstattung: Peer Ripberger
Spiel: Linda Elsner, Eva Schröer, Peer Ripberger, Karsten Zinser
Video: Katarina Eckold
Dramaturgie: Tobias Sosinka, Nico Dietrich

 

Gastspiel im Theaterdiscounter, Berlin, im Frühjahr 2016.

 

Zu den digitalen Diskussionen während der Aufführungen.


„Eine Inszenierung, die funktioniert, aber dem Zuschauer einiges abverlangt: Er soll den Dialogen der Schauspieler folgen und gleichzeitig Hintergrundvideos betrachten sowie mit dem Regisseur kommunizieren. Hinzu kommt eine fundamentale Gesellschaftskritik, die sich mit dem Originaltext von Hoffmann abwechselt, vermischt und ergänzt. Das ist hochpolitisch, hochkompliziert, aber mindestens genauso mutig und spannend.“

hna vom 14.06.2015
 
 
 

„Gruselromantik soll nicht aufkommen. Mit einer klaren Absage beginnt der Theaterabend, der sich auf Motive von E.T.A. Hoffmann und seine Erzählung Der Sandmann stützt: „This is not a fairy tale“. Auf der Bühne des Jungen Theaters formiert sich das Schauspielteam mit Linda Elsner, Eva Schroer, Peer Ripberger und Karsten Zinser zum Chor. Es wird kein Märchen zu sehen geben, verkünden sie. Stattdessen soll die Geschichte um einen kindlichen Alptraum und seine Folgen als Warnung verstanden werden.“

Göttinger Kulturbüro vom 13.06.2015


„Blaue Augen und die Angst vor dem Netz. Schauerpremiere im Jungen Theater: ‚Der Sandmann'“
Göttinger Tageblatt vom 13.06.2015